Eine ausführlichere Darstellung des Systems mit vielen weiteren Erklärungen können sie als PDF runterladen: Bujinkan Budō - Eine Einführung (118 Seiten, 1,68 MB, Stand: 02.06.2010)
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Was ist Bujinkan Budō?

Bujinkan Budō ist der Name und Sammelbegriff, mit dem heute ein System von 9 historischen japanischen Kampfkünsten bezeichnet wird, die von Dr. Masaaki Hatsumi vertreten werden. Die heutigen wettkampforientierten Kampfsportarten wie Judō oder Karate wurden aus traditionellen Kampfstil-Arten, sog. Ryū (Ryūha) abgeleitet, wie sie im Bujinkan Budō noch gelehrt werden. Diese Stile wurden nach anderen Gesichtspunkten als die heutigen Sportarten unterschieden. Sie wurden oft nach der Herkunftsregion, dem Familienname des Gründers oder philosophischen Ideen benannt, und waren in der Regel durch ihre Spezialisierungen z.B. auf bestimmte Waffenbereiche oder Techniken gekennzeichnet.

Die neun Ryūha des Bujinkan Budō sind folgende:

  • Togakure Ryū Ninpō
  • Gyokushin Ryū Ninpō
  • Kumogakure Ryū Ninpō
  • Kukishinden Ryū Happō Bikenjutsu
  • Kotō Ryū Koppojutsu
  • Gikan Ryū Koppojutsu
  • Gyokko Ryū Kosshijutsu
  • Takagi Yōshin Ryū Jūtaijutsu
  • Shinden Fudō Ryū Taijutsu

Was ist der Unterschied von Bujinkan Budō zu den anderen bekannten Kampfkünsten?

Nach der Zeit der großen Bürgerkriege (Sengoku Jidai; Beginn 1467 mit dem Onin Krieg bis 1615) begann mit der Edo-Periode eine lange Friedenszeit.
Die herrschende Familie der Tokugawa erließen zahlreiche Gesetze um die Macht der Kriegerkaste zu begrenzen. Auch für die Dōjō wurden strenge Regeln erlassen. Viele Lehrer strichen die Ausbildungsinhalte stark zusammen und unterrichteten nur einzelne Waffen. Die vielfältigen Lehren wurden so in den einzelnen Ryū stark reduziert.

Gleichzeitig nahm die Bedeutung verschiedener philosophischer Einflüsse die auf dem Buddhismus basierten im Kriegerstand zu. Es wurde ein Verhaltenskodex aufgestellt, nachdem sich die Samurai richten sollten um als wahre Krieger zu gelten - das Bushidō. Mit Beginn der Meiji Periode (ab 1868) und der durch äußere Einflüsse erzwungenen Öffnung des Landes begann in Japan eine rasche Industrialisierung nach dem Vorbild der großen westlichen Handelsmächte. Gleichzeitig wurde neben der Technik sehr viel westliche Kultur importiert. Die alten Kampfkünste wurden dadurch fortan als unzeitgemäß angesehen und verfemt.

Erst um 1900 wurden die alten Samurai - Traditionen im Rahmen des neuen Nationalismus wieder zum Leben erweckt. Als ideelle Vorlage diente der Samurai der Tokugawa - Zeit. Die alten Techniken jedoch wurden dem neuen Zeitgeist entsprechend überarbeitet.
Als Folge entwickelten sich aus den alten Kampfkünsten die modernen Kampfsportarten wie Judō (1882), Karate Dō (1901) oder Aikidō (1942).
Obgleich der Anhang Dō für den philosophischen Aspekt in den Kampfkünsten steht (das "Nichtsein" im Sinne des Zen-Buddhismus steht im Vordergrund. Der Gegner/Partner dient nur der Reflektion des wahren Gegners, des eigenen Selbst), wurde der Verteidigungszweck sowie der Selbst-vervollkommnungsgedanke inklusive seiner erzieherischen Aspekte mehr und mehr zur Nebensache. Schon bald stand nun der Wettkampfgedanke oftmals an erster Stelle. Es wurden Regeln erlassen, die einen gefahrlosen Ablauf sicherstellen sollten, so dass der sportliche Wettkampfgedanke, die Definition des eigenen Könnens per Gewinnen oder Verlieren, immer mehr in den Vordergrund gerückt wurde.

Dieser Schritt von einer Kampfkunst zu einem Wettkampfsport wurde von den Praktizierenden der 9 Bujutsu-Stilrichtungen, die heute unter dem Begriff Bujinkan Budō zusammengefasst werden, nicht vollzogen. Es handelt sich demzufolge immer noch um ein unverfälschtes Selbstverteidigungssystem mit einer relativ genauen Nachvollziehbarkeit bis ins japanische Mittelalter zur Zeit der großen Bürgerkriege bis Mitte des 16. Jahrhunderts (der bekannte Roman Shogun von James Clavell handelt übrigens vom Ende dieser Zeit).
Die in dieser langen Tradition gesammelten Erfahrungen legen die Grundlage der Philosophie der traditionellen Kampfkünste, einen Kampf durch Deeskalation möglichst zu vermeiden, denn ein siegorientiertes Wettkampfsystem war mit Techniken, die über Leben oder Tod entscheiden konnten, nicht vereinbar.

 


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